Um mal wieder mit einem Mythos des Alltags aufzuräumen:
Warum macht man in der Sauna einen Aufguss?
Damit der Saunabadende stärker schwitzt, nicht wahr?
Ja. Tatsächlich nicht wahr.
Denn wie uns die Wikipedia erstaunlicherweise mitteilt, ist es vielmehr so:
„Entgegen dem subjektiven Eindruck steigert der Aufguss den Schwitzeffekt eines Saunaganges nicht. Was vermeintlich als kräftigeres Schwitzen empfunden wird, ist tatsächlich nur auf der Haut niedergeschlagener Wasserdampf: Das durch den Aufguss verdampfte Wasser setzt sich als Kondenswasser auf der kühleren Haut (ca. 30 bis 37 °C) ab und erzeugt dort ein sehr starkes Hitzeempfinden, da die Kondensationswärme an den Körper abgegeben wird. Während Schwitzen normalerweise aufgrund der dann möglichen Verdunstung den Körper kühlt, verhindert die aufgussbedingte hohe Luftfeuchtigkeit diese Verdunstung, weshalb durch das Schwitzen auch kein Kühlungseffekt mehr eintreten kann.“
Hört, hört.
Da der „subjektive Eindruck“ aber ja nunmal in Dingen, die dem Vergnügen dienen, der einzig sinnvolle Gradmeser ist, werde ich sogenannte Trockensaunen auch in Zukunft meiden.
Die von mir favorisierte Saunastrategie geht übrigens so: Man besuche die Aufgussauna nicht während des Aufgusses, sondern direkt im Anschluss. Währenddessen ist sie nämlich immer gerammelt voll und man sitzt unbequem und gedrängt in der Horde. Direkt nach dem Aufguss hingegen hat man die Sauna zumeist für sich alleine, kann sich also nach Belieben ausstrecken und breit machen, und bei Bedarf auch mehrmals den Platz wechseln. Die Luft ist naturgemäß immer noch total feucht von dem Aufguss, und von dem womöglich als angenehm empfundenen Aufgussaroma hängt auch noch genug im Raum. Genial, ist es nicht?
Hier noch ein zweiter moderner Mythos. Der zwar mit dem oben behandelten rein gar nix zu tun hat, dem ich aber ebenfalls bis vor Kurzem selbst aufsaß:
Der Rasen in Fußballstadien wird gekämmt, um dem Schiedsrichter und den Linienrichtern eine Orientierungshilfe für Abseitsentscheidungen zu bieten.
Auch ein Fall von „Denkste!“
Die Rasenkämmerei ist reiner dekorativer Firlefanz, dienend einzig der Ergötzung des Zuschauers – im Stadion wie zu Hause vor dem Fernseher. Auf Spielhöhe sieht man die Graskosmetik nämlich gar nicht. Das können Sie übrigens bei der nächsten Fußballübertragung ganz einfach selbst überprüfen, nämlich immer dann, wenn eine Spielszene in Nahaufnahme zu sehen ist. Wenn sie dann mal auf den Rasen achten, werden sie feststellen, dass dieser tatsächlich konturlos ist. Er ist einfach nur, um es in den Worten Loriots auszudrücken, „schön grün„.
Wer weitere weit verbreitete Irrglauben kennt, darf sich gerne an der Schulmeisterei in Form eines Kommentars beteiligen. Wir lernen schließlich fürs Leben und nicht für die Schule!
Wie? Das war auch nur ein Mythos? Ja dann…
P.S.: Schon wieder ein Loriot-Link im Blog? Tja, ist mir auch aufgefallen. Soll so schnell nicht wieder vorkommen. Versprochen.
Ein weit verbreiteter Irrglauben besteht darin, daß es Pflanzen gut tut, wenn man mit ihnen spricht. Nach meiner Erfahrung bringt das aber nur was, wenn man die Themen „Wasser“, „Dünger“ und „umtopfen“ anspricht.
Dann fällt mir spontan noch eine frühere Freundin ein. Wenn die im Straßenverkehr so einen riesigen Geländewagen sah, sagte sie immer, so einen wolle sie nicht, wegen Einparken und so. Der habe ja einen Wendekreis wie ein Panzer. Hallo! Panzer drehen auf der Stelle!
Tja, und da wäre dann noch der schlimme Irrglaube, das Universum sei unendlich groß. Leute, Leute, schaut mal aus dem Fenster. Wenn das Universum unendlich groß wäre, dann gäbe es unendlich viele Sterne,
also stünde an jedem Punkt des Nachthimmels ein Stern und es würde nachts nicht mehr dunkel werden. Logisch, oder?
Das mit dem Panzer gefällt mir.
Und erinnert mich an die verbreitete Unsitte insbesondere der Printmedien, irgendwelche Damen, die sich durch außergewöhnliche Kühnheit, Zivilcourage oder sonstige Opfer im Namen des vermeintlich Guten hervorgetan haben, als „die Mutter Courage des blablabla“ zu bezeichnen.
Brechts Mutter Courage war maximal geschäftstüchtig, lebte vom Krieg und brachte zwar ihr eigenes Leben letztendlich ins Trockene, das ihrer drei Kinder wurde en passant jedoch geopfert.
Not your favourite role-model.
Ihre Mutter Courage des guten Geschmacks,
Lenin
Ah, die Lenin, die Mutter aller couragierten!